| Kommentar: Raus aus der Krise |
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| Geschrieben von: Ingo Rollwagen |
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Tage der Arbeit liegen vor uns: Die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt schaffen akuten und strategischen Handlungsbedarf in der Weiterbildung. Statt Krach und Kontroversen bietet sich der Bundesregierung, den Sozialpartnern und gesellschaftlichen Gruppen die Chance, durch Kapital, Kompromisse und Kooperationen, durch Projektbörsen und Transfervehikel den Auswirkungen der Krise und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.Glaubt man aktuellen Meinungsumfragen, haben über 70% der Deutschen Angst vor der Krise. Doch zum ersten Mai werden, wie auch bisher in der Krise, hauptsächlich Rituale gepflegt: Mit Erklärungen der Gründe der Krise wird Schuld zugeschoben, das Ausmaß der Krise wird beschworen, Kontroversen werden erneuert. Ist nicht der Umstand, dass jeder Dritte in Deutschland bereit ist, an Demonstrationen teilzunehmen, genug Ansporn für alle Verantwortlichen an die Arbeit zu gehen? Sind nicht Prognosen, dass die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr zweistellig sein wird, genug Grund von Ritualen abzuweichen? Sicher ist, dass sich mehr Menschen beruflich umorientieren müssen. Und brauchen diese Menschen nicht alle Formen von Unterstützung, um auch weiter mit Zuversicht ihr Leben zu gestalten? Viele politisch Verantwortliche, die Bundesregierung und ihre Agentur für Arbeit tun schon einiges. Man denke nur an die Kurzarbeitsregelungen. Doch es gibt noch mehr zu tun. Angesichts des Ausmaßes der Krise ist man sicher gut beraten anzunehmen, dass eher mehr, nicht weniger Menschen Unterstützung bei ihrer Umorientierung brauchen werden. Strategische Programme und operative Projekte müssen folglich angedacht und schnell umgesetzt werden, um die Auswirkungen der Krise am Arbeitsmarkt abzufedern. Potenziale zur Verbesserung in der Weiterbildung Wir haben gerade im Weiterbildungsbereich noch einiges zu tun. Obwohl das Weiterbildungssystem zentral ist, um kurz-, mittel- und langfristig Humankapital weiterzuentwickeln und obwohl Weiterbildung zu Produktivitätsverbesserungen und mehr Wettbewerbsfähigkeit auch in der Krise beiträgt, gibt es gerade hier noch viel Potenzial zur Verbesserung. Weiterbildung in Deutschland leidet schon seit längerem unter parzellierten Strukturen und mangelnden Perspektiven sowohl für die Weiterbildner als auch die Weiterbildungswilligen. Zu wenig Transparenz über die Wirkung von Weiterbildung, zu wenig Bildungsberatung, unklare Orientierung über Zukunftsbranchen und zukunftssichere Weiterbildungsinhalte und nicht zuletzt zu wenige Mittel sorgen dafür, dass sich die Weiterbildung nicht als Leitmarkt der wissensorientierten Wertschöpfung etablieren kann. Bisher profitieren noch zu wenige Individuen, Unternehmen und auch zu wenige in der öffentlichen Verwaltung von den Produktivitäts- und damit auch Einkommenssteigerungen, die als Erträge von Weiterbildung möglich sind. Kapital, Kraft, Kompromisse und Kooperation für mehr Weiterbildung Jetzt ist die Zeit, mit dem notwendigen Kapital, der politischen und wirtschaftlichen Durchsetzungskraft und durch mehr Kooperation und Kompromisse strategisch Programme und Projekte anzudenken und diese schnell umzusetzen. Andernfalls droht vielen Menschen, zumindest einen Teil ihrer beruflichen und auch persönlichen Perspektiven einzubüßen. Der Wirtschaft droht die Verschlimmerung des ohnehin schon besorgniserregenden Fachkräftemangels. Wenn man Chancen nutzen will, kann man sich nur die Frage stellen, wie viele Projekte es wohl gibt, die in den letzten Jahren aufgrund von kurzfristigen Rentabilitätsüberlegungen nicht umgesetzt wurden? Wären diese Projekte nicht Betätigungsfelder für Menschen, um ihre krisenbedingte berufliche Neuorientierungsphase zu nutzen? Deswegen sollten wir die Schubladen öffnen und Projekte herausholen. Wir sollten mehr Projekte für mehr Lerninfrastrukturen und zur Weiterentwicklung des Gemeinwesens entwickeln. Vorhandene Projektideen könnten in Projektbörsen gesammelt, über die Bundesagentur für Arbeit finanziert, von Weiterbildungsunternehmen gemanagt und Ehrenamtlichen vorangebracht werden. Gerade in der Krise gibt es genug Betätigungsfelder für unternehmerische Initiative. Dazu gehören kurz- bis mittelfristige Projekte zur Weiterentwicklung der sozialen Dienstleistungen, der öffentlichen Beschaffung und der „grünen“ und anderer Hochtechnologien. Wir sollten mehr Projektwirtschaft wagen! Warum beginnen wir beispielsweise nicht damit, Lernzentren zu entwerfen, zu finanzieren, zu bauen und umzusetzen? So könnten wir - auch und besonders in ländlichen Räumen - trotz des demografischen Wandels wirtschaftliche und soziale Wertschöpfungspotenziale dauerhaft sichern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wir brauchen schnell Mittel, Partnerschaften und Modelle - auch Public Private Partnerships sowie Beschäftigungs-und Transfergesellschaften - für die projekt- und produktionsorientierte Weiterbildung von Arbeitssuchenden. Die Prinzipien der Projektwirtschaft - Engagement, Offenheit und Kooperation bei gleichzeitiger Konkurrenz und Innovativität - können helfen, Strukturen zu bilden und Weiterbildung wettbewerbsfähiger zu machen. Diese Projektwirtschaft beginnt mit einem kohärenten regulatorischen Rahmen und mit Investitionen in Personen und Perspektiven. Sie beginnt zuvorderst mit operativen Projekten zur Überbrückung der kriseninduzierten Beschäftigungssuche. Warum orientieren wir uns nicht an unseren französischen Nachbarn, die mit Mikrokrediten schnell Mittel für Modelle bereitstellen, die Lernunternehmern im lokalen Bereich Gelegenheiten zur Initiativen bieten? Der Bund, die Bundesländer, die Sozialpartner und die gesellschaftlich Aktiven haben in der Krise die Chance, noch mehr Kompromisse zu finden und partnerschaftlich zu kooperieren, um die Weiterbildungsangebote voranzubringen. Sicher kommen wir so weiter trotz der Krise und vielleicht auch schneller heraus aus der Krise, als mit Krach und Kontroversen. |


