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Milliardäre wie Karl Friedrich Flick oder Heide Horten taten es, und Prominente wie Franz Beckenbauer oder Ralf Schuhmacher tun es auch: Jahr für Jahr kehren vermögende Deutsche ihrer Heimat den Rücken und siedeln sich einige Breitengrade südlicher oder östlicher an. Denn das schöne Österreich hat nicht nur eine ansehnliche Landschaft und hohe Lebensqualität zu bieten. Das Alpenland ist für Menschen mit großen Vermögen ein kleines Steuerparadies.
Und das Gute daran: Je mehr Geld man mitbringt, umso billiger wird es; und das meist ganz legal. Schon vor Jahren, so hieß es in offiziellen Banken-berichten, lag Österreich als "Fluchtland" für deutsches Kapital mit 15 Prozent hinter der Schweiz und Luxemburg an dritter Stelle. Der Betrag, den vermögende Deutsche hier "gebunkert" haben sollen, liegt zwischen offiziellen sieben Milliarden und geschätzten 50 Milliarden Euro.
Österreichs Steuergesetzgebung, so klagt die globalisierungskritische Organisation Attac, bevorzugt eindeutig Menschen mit Vermögen und ist dazu äußerst gastfreundlich. Die im Vergleich zu Deutschland günstige Besteuerung von Vermögen und dieäußerst gnädige Erbschaftssteuer haben dazu beigetragen, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten die Schere zwischen Arm und Reich in derAlpenrepublik schneller als in anderen EU-Ländern geöffnet hat. Dazukommt das in Österreich nach wie vor strikt beachtete Bankgeheimnis, das es ausländischen Investoren und Anlegern ermöglicht, Kapital - natürlich auch Bares - diskret und sicher bei Banken und Sparkassen im Nachbarland zu deponieren. Tipps, wie man es am Besten anstellt, aus dem deutschen System heraus und ins weiche österreichische Steuerbett zu fallen, findet man reichlich im Internet.
Im Gegensatz zu Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern istdas Geld von Bankkunden vor staatlichem Zugriff weitestgehend sicher. Auskünfte dürfen und müssen Banken und Sparkassen nur dann geben, wenn bereits ein Straf- oder Finanzstrafverfahren gegen einen Kunden eröffnet wur-de. Und so kommen nach wie vor tausende Deutsche alljährlich etwa in das kleine Örtchen Jungholz nahe der Grenze inTirol, um sich bei den drei dort ansässigen Banken und Sparkassen "beraten" zu lassen. Schätzungen zufolge verwalten die Dorf-Filialen bereits ein Vermögen von über vier Milliarden Euro, mehrheitlich von mehreren zehntausend deutschen Kunden.
Und die Banken wenden sich ganz gezielt an die potenziellen Kunden aus dem Nachbarland. So wirbt etwa die Tiroler Sparkasse Jungholz als "Das Kompetenzzentrum für deutsche Anleger" um Geldanlagen. Um Steuern sparen zu können, muss man nicht in Österreich wohnen. "Als Devisenaus-länder zahlen sie auf Zinseinnahmen zurzeit 15 Prozent Quellensteuer", sagt ein gut geschulter Angestellter am Telefon auf Anfrage. "Natürlich" könne man auch Bares einzahlen. Allerdings: "Ab etwa 50.000 Euro wollen wir schon wissen, ob das Geld auch Eigentum des Kunden ist." Die Steuer wird übrigens anonym an den deutschen Fiskus überwiesen.
Wer sein Vermögen offiziell von Deutschland nach Österreichverlagern will, muss allerdings mehr Mühen in Kauf nehmen. So müssen Anleger ihren Wohnsitz permanent in das Nachbarland verlegen. Der Lohn: Die Besteuerung von Vermögen in Österreich ist deutlich niedriger und sinkt noch mit der Größe des Vermögens. Erheblich geringer ist auch die Erbschaftssteuer. Die für 2008 geplante Abschaffung veranlasste die Regierung in Berlin, einen entsprechenden Passus im geltenden Doppelbesteuerungsabkommen außer Kraft zu setzen, um einen massiven Abfluss von Vermögen zu verhindern. Bereits 1993 führte Österreich dazu die Institution der "Privatstiftung" ein, die reichen Bürgern und hier lebenden Gästen zahlreiche Möglichkeiten gibt, die Steuerlast unbehelligt vom Fiskus weiter drastisch zu senken.
Und so kommt es, dass in Österreich nach Angaben der OECD die Kluft zwischen Reich und Arm schneller wächst, als in anderen vergleichbaren Ländern. Laut Attac besitzen in Österreich (Werbung: "Ein steueroptimaler Wohnsitz") 10 Prozent der Bevölkerung 67 Prozent des Vermögens. Dazu Attac-Experte Christian Felber: "Nach offiziellen Berechnungen zahlt hier eine Kassiererin im Supermarkt prozentual an indirekten und direkten Abgaben mehr als ein Generaldirektor." (NBN, 05.12..2008)
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